Zeitungsbericht-15 Jahre für Kössen und Schwendt 

  

 

Waltraud Hauser kommt lachend zur Tür herein. Zielstrebig nimmt sie den Sack mit dem großen Apothekenlogo von der Ablage. Medikamente für einen der Klienten der Heimhilfe. „Ich nehme die besorgten Medikamente für meine nächste Klientin gleich mit“, sagt sie fröhlich in Richtung Regina Himberger bevor sie im hinteren Bereich des Büros verschwindet. Vormittagsalltag im Sozial- und Gesundheitssprengel Kössen-Schwendt. Neben der langjährigen Pflegedienstleiterin Regina Himberger ist Hildegard Exenberger, die Geschäftsführerin, heute im Sprengelbüro anwesend. Der diensthabende Teil der restlichen zwölf Mitarbeiter ist bereits unterwegs. Neun Pflegekräfte, fünf Heimhelfer und die Geschäftsführerin sind das engagierte Herz des Sozial- und Gesundheitssprengels für Kössen und Schwendt. Um die 50 Klienten werden betreut. Eine Größe, an die niemand bei der Installierung des Sprengels vor 15 Jahren auch nur gedacht hätte. Denn damals begann alles ganz klein im Hinterhof des Altenwohnheims. 

 

Der Nachzügler startet durch

 

„Wir waren keine Vorreiter, sondern eher ein Nachzügler und es war an der Zeit“, lacht Regina Himberger als sie von den Anfängen des Sprengels erzählt. „Wir waren unter den Letzten in ganz Tirol, die einen Sozial- und Gesundheitssprengel in der Gemeinde installiert haben.“ Es war gut geplant und lange überlegt als am 6. Dezember 2001 der Startschuss fiel. Die Triebfeder für den Sprengel war die damalige Familien- und Sozialreferentin Anna Hörfarter. „Für sie war klar, dass es mehr brauchte, als das bestehende Angebot.“ Das Alten- und Pflegeheim war damals überfüllt. Die ehrenamtlichen Sozialdienste des Roten Kreuzes waren perfekt, stießen jedoch an ihre Grenzen. „Der Bedarf stieg, weil die Menschen immer früher aus den Krankenhäusern entlassen wurden. Viele konnten aber noch nicht wieder allein leben“, beschreibt Hildegard Exenberger die Situation. Damals im Dezember 2001 fand die Gründerversammlung des Sprengels statt. „Es hatte sich über Jahre und Monate konkretisiert. Man hatte zahlreiche Informationen eingeholt und die Finanzierung gesichert. Es sollte nichts Halbes werden.“ Herbert Bauhofer wurde zum 1. Obmann gewählt, drei Jahre bekleidet er dieses Amt, bis 2005 Josef Hörfarter, der Wirtschaftsleiter vom Altenwohnheim, den Posten übernimmt.

  

Startplatz: Hinterhof

 

Als Regina Himberger von den Büroräumlichkeiten der ersten Jahre zu erzählen anfängt, schmunzelt sie. Damals war sie die einzige Pflegekraft. „Der Eingang zu unserem Büro war an der Rückseite des Alten- und Pflegewohnheims. Ich war gar nicht so leicht zu finden.“ Die Müllgarage und ein anderer kleiner Raum wurden zu Lagerräumen umfunktioniert. Zwischen den beiden Bereichen lag ein kleines Büro. „Das habe ich selber nicht gedacht, dass unser Angebot auf eine derartige Nachfrage trifft“, beschreibt Regina Himberger die kommenden Monate. Kaum war der Sprengel am 1.1.2002 geöffnet, gingen die Anfragen ein. Recht schnell waren rund fünf Klienten mit teilweise täglicher Pflege zu betreuen. „Nach kurzer Zeit haben wir bereits Aushilfen für einzelne Tage gesucht, damit ich nicht sieben Tage die Woche arbeiten musste.“

  

Stolz auf vier Rädern

 

Auf die Frage, was denn die Highlights in all den Jahren waren, antworten Regina Himberger und Hildegard Exenberger gleichzeitig. „Das Auto und unser neues Büro!“ Es war der 11.08.2004 als das erste Auto für den Sprengel gekauft wurde. Bis dorthin waren alle Mitarbeiter mit ihren Privatautos unterwegs. „Nur wenn etwas Größeres zu transportieren war, stießen wir an unsere Grenzen. Oder auch, wenn wir jemanden, der im Rollstuhl saß, irgendwohin bringen mussten. Unser Ziel war damals ein Auto, in das man einen Rollstuhl schieben kann.“ Die Frage war, wie finanzieren. Der Zuschuss des Landes genügte bei weitem nicht. Doch in dem Fall zeigte sich einmal mehr der Zusammenhalt der Region. Eine eigene Spendenaktion wurde eingeläutet und es kam so viel Geld zusammen, dass ein entsprechendes Auto gekauft werden konnte. „Ja, das war wirklich ein Highlight, wobei eigentlich der Alltag für sich schon ein Highlight ist. Es sind diese oft kleinen Momente, die unseren Beruf zu etwas Besonderen machen“, so Regina Himberger.

  

Wachsendes Angebot

 

Den Menschen zu ermöglichen, dass sie trotz Einschränkung zu Hause bleiben können, dafür sorgt seit Juli 2005 zusätzlich das Heimhilfeangebot. Anfangs vermittelt Regina Himberger bei Bedarf private Hilfen für zum Beispiel den Haushalt, doch mit der Zeit wird die Nachfrage so groß, dass Waltraud Hauser dafür fix angestellt wird. „Kaum war das Angebot installiert, meldeten sich auch schon die ersten. Es war wie bei der Einführung der Hauskrankenpflege. Immer wenn wir etwas anbieten, wird es sensationell angenommen.“

  

Der neue Sprengel

 

Inzwischen ist es halb zehn Uhr vormittags. Es ist ruhig. „Das kann sich aber jederzeit ändern. Seit wir unser Büro hier mitten im Zentrum haben, kommen immer wieder Menschen vorbei, um sich zu informieren, beraten zu lassen oder, um etwas auszuleihen“ erklärt Regina Himberger. Neben der Pflege bietet der Sprengel auch den kostengünstigen Verleih von Heimbehelfen. Vom Pflegebett bis hin zu Rollstühlen. „Bei uns kann man recht unbürokratisch und schnell diese Hilfsmittel ausleihen“, so Hildegard Exenberger. Finanziert werden die Heilbehelfe dabei ausschließlich aus Spenden von Einzelpersonen, Unternehmen oder auch Vereinen. „Ohne Spenden könnten wir diesen Service unmöglich so günstig anbieten.“ Hier im neuen Büro ist auch endlich ausreichend Platz für die Pflegebehelfe, in den alten Räumlichkeiten wurde es zum Schluss mehr als eng. „Als ich begonnen habe, hier zu arbeiten, hatte ich nicht einmal einen eigenen Schreibtisch“, plaudert Hildegard Exenberger aus der Vergangenheit. 2012 platzt der Sprengel schließlich endgültig aus allen Nähten und am 17.11.2012 werden die neuen, größeren Räumlichkeiten am Dorfplatz bezogen.

 

 Babyboomgeneration im Anmarsch

 

Noch knapp drei Stunden, dann trudeln die diensthabenden Mitarbeiter des Sprengels wieder im Büro ein. „Es ist uns wichtig, dass wir uns in der Früh und Mittags treffen und berichten, was los war. Die Mitarbeiter sollen nichts nach Hause tragen oder mit sich selbst ausmachen müssen. Wir sind ein Team.“ Ein Team, das vermutlich noch wachsen wird, denn der Bedarf steigt stetig, wie Regina Himberger weiß. „Die Anzahl der Klienten bleibt zwar seit einiger Zeit gleich, die Intensität der Betreuung und damit die anfallenden Arbeitsstunden wachsen laufend. Jährlich zwischen fünf und sieben Prozent. Und wir sind sicher noch nicht am Limit, denn die Zahl der älteren Bevölkerung steigt, die Babyboomgeneration kommt erst.“ Auf die Frage, was sie und die anderen Mitarbeiter über 15 Jahre motiviert hat und immer noch motiviert, umspielt Regina Himbergers Mund ein Lachen. „Diesen Urwunsch zu erfüllen, dass die Menschen zu Hause bleiben können, das ist etwas Wunderbares.“ Hildegard Exenberger nickt zustimmend. „Wir hatten eine Klientin, die haben wir neun Jahre betreut, bevor sie im Vorjahr verstorben ist. Für die meisten Menschen ist es einfach das Schönste, im Alter noch zu Hause wohnen zu können. Wobei man auch sagen muss, dass die Heimpflege keine Universallösung darstellt. Sind ältere Menschen einsam, ist das Alten- und Pflegewohnheim oft die bessere Option für sie, weil sie dort unter Menschen sind.“ Der Stolz auf und die Freude an ihrer Arbeit ist ihnen anzusehen, der Grundstein für 15 erfolgreiche Jahre, die hinter dem Sozial- und Gesundheitssprengel Kössen-Schwendt liegen und auch der Grundstein für die kommenden Jahre.